Samstag, 10. August 2013

Eine kurze Geschichte der letzten Zeit



Irgendwie scheine ich meinen noch nicht fassbaren Konkretziel näher zu kommen, nämlich einem Selbstversorgergrundstück irgendwo auf dem Jakobsweg zwischen XY und Santiago de Compostela, am liebsten in Portugal.
Vor drei Jahren war mir Gartenarbeit ein Graus (das musste alles Stefanie erledigen); ich hingegen wusste gerade einmal, wie ein Feld aussieht - nicht aber, wie ein Feld bzw. ein Wald sinnvoll genutzt werden können. Mittlerweile hat sich das gründlich geändert. So Vieles habe ich während der bisherigen Reise durch Europa gelernt - über Bewirtschaftung von Feld und Wald, Anbau und Ernte, ökologische Landwirtschaft, Sepp Holzer’s Hugel-Kulturen, Ressorucen schonende Arbeit, und ökologischem Bauen, Nachhaltigkeit, Improvisation. So viel, dass es mir unfassbar erscheint.
 
Beim Bauen wird in Griechenland am meisten "gemaggelt" (wohl, um Steuerzahlungen zu vermeiden), in Portugal am meisten improvisiert. Landwirte haben es überall schwer, sei es in den südlichen europäischen Ländern oder gar in Südtirol oder der Schweiz. Aber hie wie dort überall steht vor Allem in Griechenland un Portugal die Eigenleistung, der Clan, die Mithilfe von Nachbarn und Freunden im Vordergrund. So ganz anders als in Deutschland....


Bei Bauen mit Natursteinen hat mich Walter Friedl-Grünecker unglaublich inspiriert (www.goladinha.eu), der in Zentralportugal Kenntnis reich "Räume zu Leben und Arbeiten" errichtet und dies liebevoll zelebriert. Unter seinen Händen entsteht dort über die Jahre ein Therapie-, Gesundheits- und Seminarzentrum - auf einem Gelände, auf dem er und Christiane, seine Frau, auch selbst leben.

Hinsichtlich des von mir präferierten Bauens mit Stroh habe ich jemanden kennen gelernt, der mir (neben dem Angebot des FASBA = Fachverband Strohballenbau Deutschland e.V. - "Wir bauen nachhaltig für die Zukunft"; http://www.fasba.de/) vertiefte Kenntnisse im Bau von Strohballenhäusern vermitteln kann.

Ich gebe gerne zu: Die Angebote des FASBA sind super - aber die Entfernung nach Verden in Deutschland ist mir für die angebotenen Ausbildungen / Seminare zu groß - und: ich kann sie mir einfach nicht leisten.

Was für ein glücklicher Zufall also. ;-))

Zufall????

Ein anderer Zufall: Zu meiner technischen Ausrüstung, die sich gerade soeben noch mit dem kleinen Wohnwagen transportieren lässt, gehören mittlerweile neben diversen Kleinwerkzeugen folgende, im Gegenzug fürs Arbeiten geschenkt erhaltene Arbeitsmittel - auf die ich richtig stolz bin:
1. Zwei unterschiedliche portugiesische Enschadas (in D wohl eher "Grabehacken" genannt),

2. zwei Sensenbäume (Stahlrohr- und Holzbaum), nebst einem alten Reichsform-Sensenblatt 70 cm, Sensenblatt mittlerweile selbst gedengelt und gewetzt und (wieder) ausgiebig in Gebrauch genommen, außerdem Dengelamboss (Schlagdengler), Kumpf und Naturwetzsteine, 
 

3. eine alte Rundsichel, Sichelblatt von "Kuhlmann Söhne, Leverkusen", mittlerweile geschliffen und gewetzt

4. ein Spalthammer von Gränsfors Bruks nebst Alu-Drehspaltkeit (Ochsenkopf) und einem Stahl-Hohlspaltkeil mit Holzeinsatz,

5. eine neue Stihl Motorsäge MS 261 C

dazu Motorsägen"führerschein" und Sensenlehrgang und selbstverständlich persönliche Schutzausrüstung wie Schutzhelm mit Visier und Gehörschutz, Stihl Schnittschutzhose, Schnittschutzstiefen und alle möglichen Arten von Arbeitshandschuhen.


Aber die größten Geschenke waren und sind: Die vielen netten Menschen, die mich so Vieles gelehrt haben und mir die außerdem Möglichkeit gaben, mit all den Gerätschaften jede Menge praktische Erfahrung sammeln zu dürfen....


Im Sommer 2013 hat mich meine Entdeckung der Handsense am meisten fasziniert, konkret: Das Mähen mit der (Hand-) Sense und die Information, das eine der rennomiertesten deutschen Sensenschmieden nicht im Allgäu und nicht in Mecklenburg zu finden war, sondern im Rheinland, in Leverkusen. Es ist die ehemalige Sensenfabrik "H.P. Kuhlmann Söhne" in Leverkusen, Schlebusch (1835 - 1987), nach der Schließung 1987 heute ein Industriemuseum, das bisweilen auch "Sensen-Schauschmieden" anbietet www.Sensenhammer.de). In Leverkusen - meiner Heimatstadt.


Ebenso ungläubig gestaunt habe ich, als ich ein natürliches Schutz-, Pflege- und Reinigungsmittel für die Metallteile des Werkzeugs suchte: Irgendwann bei der Recherche bin ich dann bei dem Namen "Ballistol" hängen geblieben. Und siehe da: Auch dieses althergebrachte "Wundermittel" wurde im Rheinland produziert. In der Online-Firmenbroschüre heißt es dazu:



"1874 gründete Friedrich Wilhelm Klever, ein Rechtsanwalt (...), in Köln die Chemische Fabrik F.W. Klever. Er begann mit der Produktion von Ölen und Fetten auf Kohlebasis, kaufte ein Bergwerk, um von Rohstofflieferungen unabhängig zu sein. Um die Jahrhundertwende suchte das kaiserliche Heer ein Allroundöl, das nicht nur die Metallteile der Waffen, sondern auch die Holzschäfte und das Lederzeug pflegen und konservieren sollte. Gleichzeitig musste es dem Soldaten als Wundöl für kleinere Verletzungen, Risse und Abschürfungen dienen." Nur das Zweigwerk in Leverkusen überstand beide Weltkriege...."



Schon wieder Leverkusen! Da stellt sich im Nachhinein doch die Frage: "Warum in die Ferne schweifen....??"

Aber es ist nunmal geschehen. Und fast - glaube ich - fast fehlt nur noch das passende kleine Grundstück am Jakobsweg, um sich dort nieder zu lassen und selbst zu versorgen. Aber heißt es nicht auch dahingehend, der "Weg nach Saniago" beginne vor der eigenen Haustür?


Nun denn, wir werden sehen. Ich bin sehr, sehr neugierig - und offenbar noch nicht am Ende des Dazu-Lernens... auch wenn meine Zeit in der Geschichte kurz ist.



Mittwoch, 10. April 2013

Strohballenhäuser: Schimmel, Flammen, Viecher ?


Was für ein Gedanke: Ein Kind zeugen, in Apfelbäumchen pflanzen und zuletzt ein Haus errichten, das alle und Allen Lebensqualität bietet, nicht Jahrhunderte überdauert und zum Zankapfel der übernächsten Erbengeneration wird und dazu noch relativ günstig ist.

Möglicherweise geht das ja: Mit Stroh.

Wie bitte? Stroh als Baumaterial? Na, wenn man da nicht auf Sand baut oder sich auf dem Holzweg befinde....

Nun: Vieles spricht für Stein als Baumaterial, Vieles auch für Holz oder sogar Schnee / Eis - aber Einiges eben auch für: Stroh. Komischerweise sind mir in den letzten Wochen verstärkt Leute begegnet, die sich mit Strohballenhäusern beschäftigen. Am Anfang hab ich gedacht: Neee, das klingt mir zu sehr nach "Alm", alternativ, Instabilität und Ungeziefer. Oder um es juristischer auszudrücken: Wenig genehmigungsfähig.

Weit gefehlt, mittlerweile bin ich ein wenig informierter: Die Idee, Häuseraußenwände (oder sogar Fundamente) ganz oder teilweise mit Stroh zu errichten, ist weder neu, noch originell. Um exakt zu sein, ist es die konsequente Weiterführung des Gedankens, mangels Holz anderes vorhandenes, ebenso regional verfügbares Material zum Häuserbau zu verwenden - eben Stroh - und dies nicht nur zum Mittagsschlaf auf dem Feld. Logischerweise muss dieser Gedanke in einer Gegend ihren Ursprung gefunden haben, in der genügend Stroh anfiel.

Im 19 Jahrhundert sollen Wanderarbeitern in Nebraska (USA) - einer Gegend mit riesigen Getreidefeldern - Strohballen wie Ziegelsteine "selbsttragend" zum Wandaufbau eingesetzt haben. Solche "Häuser" waren leicht aufgebaut, nicht teuer und - so wohl die Idee - das Material baut sich im Zweifel nach der Saison von selbst wieder ab. Also wurden Heu und Stroh mit Muskelkraft zu soliden Blöcken zusammengepresst und zirka 70 Strohballenhäuser gebaut. Entgegen den Erwartungen aber überstanden die Dinger mehr als nur einen der extremen Sommer (und Winter) - und wurden so schließlich zu "Dauerbauten". Der nächste Schritt zum vollwertigen Haus war dann die Erfindung der von Pferden angetriebenen Strohballenpresse.

Zwei Schritte zurück: Stroh als Baumaterial wurde - neben Lehm- schon für den Bau der ersten Häuser der Menschheit eingesetzt, wenn auch nur als "Beiwerk" oder für Dachdeckungen. In Nebraska schließlich wurden zunächst ausschließlich Strohhäuser errichtet, deren Wände aus Stroh bestanden und diese das Dach direkt trugen (loadbearing straw-bale-house, Nebraska-Stil). Bald aber schon - im Jahr 1936 - wurde erstmals ein zweistöckiges Strohhaus errichtet, dessen Holzrahmenkonstruktion mit Strohballen lediglich verfüllt (manchmal nur "gestopft") wurde. Und aus dem Ganzen wurde seinerzeit dann eine Art eigenständige "Architektur" mit vielen Gestaltungsmöglichkeiten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam die Strohbauweise wieder aus der Mode. da gab es andere Probleme zu lösen. Erst 1974, inmitten der Ölkrise, erlebte die kostengünstige Strohbautechnik eine neue, bescheidene Blüte. Der endgültige Boom (in den USA) wurde durch Strohhausbeschreibung in Holzständerbauweise des kalifornischen Architekten Jon Hammond in dem Magazin Fine Homebuilding im Dezember 1984 ausgelöst.

Dem folgend werden auch heute noch im Wesentlichen zwei Bauweisen unterschieden: Entweder tragen die Strohballen die gesamte Last (auch die Dachlast) - dann ist es selbsttragenden Bauweise, oder die Last wird durch eine Holzkonstruktion getragen, deren Zwischenräume mit Strohballen ausgefüllt werden. Weiterhin kann man sich überlegen, ob die Strohballen aussen an der Holzkonstruktion verabrbeitet werden, oder innen) also Richtung Hausinneres). Für lAlles gibt es Pros und Kontras. Gemeinsam aber sind all diesen Bauvarianten die Verwendung von stark gepressten Strohballen. Die klassischen Strohballen, hergestellt mit einer üblichen kleinen Ballenpresse, haben die Abmaße von 80-90 cm in der Länge, 50 cm in der Breite, wenn sie liegen, und 35 cm in der Höhe. Üblich sind aber auch Strohballen mit den Maßen 250 x 125 x 90 cm; ein solcher Ballen kostet ca. 25 € (ohne Gewähr).

Heute stehen mehr als 13.000 Strohwohnhäuser in den Vereinigten Staaten, im Vergleich dazu ca. 80 in Deutschlan (keliener Scherz: Nur die Österreicher machen aus Stroh weiterhin lieber Rum). In Deutschland gibt es mittlerweile sogar einen "Fachverband Strohballenbau" mit Informationen und Ausbildungsmöglichkeiten - http://www.fasba.de/


„Ein Strohballenhaus braucht hohe Stiefel und einen großen Hut“


Hausbau mit Stroh - da gibt es viele Vorurteile: Wenn es feucht wird, schimmele das Stroh, Nager und anderes Getier freuten sich über Strohballen als Unterkunft (das könne man ja in jedem Stall beobachten) und schließlich brenne Stroh "wie Zunder".,

Dem ist aber nicht ganz so !

Feuchtigkeit zum Beispiel, sei es aufsteigende oder schlagregnende vom Himmel fallend, muss nicht zu Problemen führen. Nein ! Feuchtigkeitschäden lassen sich konstruktiv vermeiden durch

1. Hohe Stiefel:

- ein sehr gutes Fundament (zB. Kapilarbrechender Kiesel und darauf Schieferplatten)
- genügend Abstand der untersten Stohballen zum Boden
- Feuchtigkeitssperren

2. Einen großen Hut:

. trockenes Stroh beim Bau
- ausreichender Dachüberstand (gegen Schlagregen von der Seite), mindestens einen Meter.


Schädlingen, also Kleinnagetiere und Insekten verschiedenster Arten bietet Stroh keinen besonderen Anziehungspunkt! In der kälteren Jahreszeit allerdings werden offen liegende, unverputzte Strohballen aufgrund ihrer guten Wärmedämm-Eigenschaften gerne von Mäusen als Behausung aufgesucht. Richtung Winter sollte der Bau eines Strohhauses daher abgeschlossen sein.

Wer mag, kann zur Gewissensberuhigung dem angeblichen Nagetierbefall von Strohballenwänden zusätzlich durch engmaschige Drahtnetze unter dem Putz vorbeugen.

Feuer: Die verbreitete Angst, Bauen mit Stroh erhöhe die Brandgefahr, ist mittlerweile widerlegt. So entsprechen beidseitig mit 5 cm Lehmputz versehene moderne Strohballengebäude der Brandschutzklasse F90 (Feuerwiderstands-dauer 90 min), was einer 20 cm dicken Betonwand entspricht.

Allerdings ist es beispielsweise ein Bau-Kardinalfehler, Stromkabel im direkten Kontakt mit den Ballen zu verlegen. Sollte es (aus welchen Gründen auch immer ) zu einem Kabelbrand kommen, kann ein Schwellbrand entstehen, der wochenlang glimmt, und an einer luftigen Stelle, plötzlich zu einem echten Brand wird. Generell sollten Elektrokabel an "sensiblen" Stellen immer in zehn Zentimeter dickes, feuerresistentes Material gepackt werden, Beispielsweise Ziegel oder Lehm.


Nachteile:

Selbstverständlich hat das Bauen mit Stroh Nachteile:

- Durch die ungewöhnlich großen Wandstärken (ca. 45-65cm) benötigt man für die gleiche Wohnraumfläche ein größeres Grundstück,

- Der Bau von mehr als zwei Geschossen ist derzeit nicht möglich bzw. genehmigungsfähig; Derzeit ist es vorraussichtlich möglich nur 2 Geschosse zu bauen.

- Der Bau selbst ist stark witterungsabhängig: Eine Rohbauphase in den Sommermonaten ist ideal,

- Während der Bauphase besteht erhöhte Feuergefahr (unverdichtete Strohreste oder Halme brennen sehr wohl) und Gefahr des Nagetier- oder Insektenbefalls, ebenfalls kann es in dieser Phase bei bestehenden Stauballergien zu unangenehmen Reaktionen kommen, 

- Teilweise ist ein hohes Setzmaß der Strohballen, bzw. Verpressung der Wände ist erforderlich.

Vorteile

Hingegen sprechend die Vorteile des Bauens mit Stroh für sich: Stroh ist als Baumaterial günstig, umwelt- und energieschonend, ökologisch und nachhaltig. Strohballen sind mit manpower einfach zu bearbeiten und zu formen, flexibel, solide, stabil und auch über lange Zeit haltbar. Zudem sind Strohballen beinahe rund um die Welt regional verfügbar.

Im Gegensatz zu Stroh brauchen moderne Baustoffe spezialisierte, teure Arbeitskräfte und Werkzeuge bzw. Maschinen, sie sind meist unflexibel, besitzen nur geringen ästhetischen Charakter, sind oft giftig und erzeugen während Herstellung, Verarbeitung, Gebrauch und Entsorgung erhebliche Mengen an Umweltverschmutzung und Abfall.
Strohballen speichern aufgrund ihrer geringen Masse nur wenig Wärme. Ebenso weisen Strohballen eine sehr geringe Wärmeleitfähigkeit auf, wobei stehende Ballen relativ zur Wanddicke weniger Wärme durchlassen. Woran liegt das? Nun, beim Pressen der Ballen werden die Strohhalme quer zur Pressrichtung eingelegt - daher erstrecken sich die Halme bei einem liegendem Ballen entlang der Breite des Ballens. Stellt man den Strohballen hingegen auf, so stehen auch die Halme und sie setzen dem Wärmefluss mehr Widerstand entgegen als bei liegenden, wo die Wärme leichter entlang der dünnen Röhrchen kriechen kann. Technisch ausgedrückt: Bei einem Wärmestrom parallel zur Faser ist die Wärmeleitfähigkeit höher als bei einem Wärmestrom senkrecht zur Faser.
Bei der Verwendung von stehenden Strohballen (d=35cm) kann der Passiv-hausstandart mit einem U-Wert unter 0,15 W/m²K erreicht werden. Ein 6cm dicker Lehmputz kann wesentlich zum Wärmepuffer des Gebäudes beitragen. Die gesamte Wärmespeicherfähigkeit Wand aus stehenden Kleinballen mit 6cm Lehmputz innen entspricht etwa der Speicherfähigkeit einer 11,5 cm dicken Backsteinwand.
Stroh ist gesünder: Im fertigen, verputzten Gebäude das Stroh in Verbindung mit Lehm ausgesprochen positive Auswirkungen auf das Raumklima. Der Lehmputz wirkt feuchtigkeitsausgleichend und luftreinigend. Außerdem bieten Strohballen wegen ihrer relativ geringen Dichte und hohen Elastizität einen sehr guten Schallschutz. 

Außerdem sind Strohhäuser in der Regel schnell errichtet: Allen, die es beim Hausbau sehr eilig haben, kann gesagt werden, dass bei hoher Eigenleistung und komplikationslosem Verlauf ein 150 Quadratmeter-Haus in sechs Monaten bezugfertig aufgestellt werden kann (das wird nur noch von einem Ultraschnell-Fertighaus getoppt, für das man lediglich vier Fertigwände braucht -zB 6 (Tiefe) mal 8 (Höhe) Meter - und ganz viele, zehn Meter lange lange Nägel. Und einen riesigen Hammer ;-)) )

Fazit: Berücksichtigt man alle Kosten und Nutzenfaktoren, erweisen sich Strohballen für mich als eines der bemerkenswertesten modernen Bau-Materialien. Mal sehen, was daraus wird....

Montag, 21. Januar 2013

Positive Psychologie und Strafrecht


Eine der neueren Strömungen in der Welt der Psychologie - etwa seit dem Jahr 2000 - ist die vom US-Psychologen Martin Seligmann begründete, so genannte "Positive Psychologie".

Deren Grundgedanke ist, nicht ausschließlich an Defiziten des Menschen zu arbeiten und sie zu therapieren, um ihm damit ein "unbeschwertes" Leben zu ermöglichen, sondern seine Stärken zu erforschen, zu fördern und ihm damit Instrumente an die Hand zu geben, die ihn stärken und sein Leben lebenswerter machen als durch Verminderung (oder "Heilung") von Mängeln.

Stichworte des Ansatzes der Positiven Psychologie sind

- psychischer Aufbau statt Reparatur
- Fördern von Wohlbefinden und Glück statt Minderung von Leiden

Wie macht sie das? Die Positive Psychologie wechselt die Perspektive. Sie stellt psychologische Gegenstände wie Vertrauen, Geborgenheit, Glück, Vertrauen, Optimismus, Verzeihen und Solidarität in den (Forschungs- und Wirkens-) Vordergrund. Dies sind kulturell weltweit "positive", erstebenswerte Zustände. Sie definiert Chraktereigenschaften, anhand derer es leichter sein soll, diese Zustände zu erreichen und fördert diese Eigenschaften beim Individuum. 

Der perspektivische Ansatz der Positiven Psychologie ist selbstverständlich umstritten. Angenommen, der Ansatz wäre aber richtig, könnte er eine Bedeutung erlangen, die über das Individuum hinausgeht - nämlich eine System übergreifende, sogar gesamzgesellschaftliche Dimension. Sie könnte nicht nur auf einzelne Personen angewendet werden, sondern auch auf andere Organisationsformen des menschlichen (Zusammen-) Lebens wie zum Beispiel Partnerschaft, Familie und Unternehmen, darüber hinaus auch auf Politik und Gesellschaft. Und innerhalb der Gesellschaft - so meine Auffassung als Volljurist - auch auf das Rechtssystem, insbesondere auf das "bestrafende" Rechtssystem: Das Strafrecht und das Strafvollzugsrecht.

Strafrecht und Strafvollzugsrecht stellen das wichtigste staatliche Instrumentarium dar, um gesellschaftlich erwünschtes Handeln zu fördern und gesellschaftlich unerwünschtes Handeln zu verhindern - durch Strafe und deren Vollziehung.

Das Strafrecht gibt vor, welches Handeln gesellschaftlich "defizitär" ist und bestraft es mit einer bestimmten Folge (in Deutschland Geld- oder Freiheitsstrafe); mit den Mitteln des Strafvollzuges wird die erkannte Strafe durchgesetzt und vollzogen.

Ziel des Strafrechts ist es, den einzelnen (und die Gesamtheit) vor der Begehung von Straftaten, auch weiterer) abzuschrecken und den Opfern Genugtuung für begangenes Unrecht zu verschaffen, Ziel des Strafvollzuges ist, den zu Bestrafenden gleichzeitig zu bestrafen und zu resozialisieren un damit wieder nahtlos in die Gesellschaft einzugliedern.

Es ist bekannt, dass diese Ziele mit den vorhandenen Mitteln nicht erreicht werden und zudem sehr kostspielig sind.

Die Ansätze der Positiven Psychologie vorausgesetzt, wäre das gesetzgeberische Ziel nicht anders, nur aus einem anderen Blickwinkel betrachtet: Die Zahl der "Nichtstraftäter" zu erhöhen und dem Einzelnen (bzw. dr Gesamtheit aller Einzelnen) nicht Abschreckung vor Straftatbegehung zu vermitteln, sondern den Anreiz zu erhöhen, nicht straffällig zu werden. Also nicht Bestrafung der Gesetzbruches", sondern Belohnung der "Gesetzestreue". 

Konsequent gedacht bedeutete dies, dass eine Stärkung des Individuen zum "Nicht-straffällig-werden", möglicherweise durch ein Belohnungssystem für Nichtstraftäter (Belohnungsstrafrecht) sinnvoller ist als das vorhandene Bestrafungssystem durch Abschreckung, Bestrafung und (defizitäre) Resozialisierung (Bestrafungsstrafrecht). Dies Alles nach Möglichkeit Kosten frei, zumindest aber Kosten neutral, ohne entstehende Mehrkosten.

Wie könnte eine Stärkung der Bereitschaft, keine Straftaten zu begehen, wie könnte ein solches Belohnungssystem aussehen und: Würde es von der Bevölkerung angenommen?

Auf die erste Frage lässt sich derzeit noch keine Antwort geben. Es müsste nach meiner Auffassung, um wirken zu können, zunächst gleichzeitig individuelle Anreize bieten, gleichzeitig aber gesellschaftliche Vorteile für den Einzelnen Nicht-Straftäter bieten. Vielleicht kann dies in der Eröffnung von konkreten individuell erwünschten Bildungs- oder Fortbildungsmöglichkeiten (Beruf, Interessengebite, Musik, bildende Künste, Fertig- und Fähigkeiten), in der Eröffnung von Wegen zur persönlichen Fortentwicklung (körperlich, seelisch, emotional oder psychisch) und damit gleichzeitig zugunsten einer positiven gesellschaftlichen Entwicklung geschehen. Denkbar wäre auch eine Belohnung nach Art eines Punkte-Bonussystems, das sich als "weiteres Standbein" zu dem System der individuellen Alterbezügen gesellt, oder die Gewährung von schlichten finanziellen Vorteilen, ähnlich der Gewährung von Kindergeld.

Hinsichtlich der zweiten Frage sei - als kleines Beispiel - auf die Genugtuung und den Stolz verwiesen, die viele Menschen verspüren, wenn sie für 25 oder gar mehr Jahre "unfallfreies Autofahren" eine simple Urkunde erhalten, als gesellschaftliche Anerkennung. Allein diese Urkunde ist Ihnen jahrelanges Bemühen wert - wohl wissend, dass "unfallfreies Fahren" nicht allein von ihrem Verhalten abhängt, sondern ebenso von all den anderen Verkehrsteilnehmern, die ihnen begegnen.

Aus meiner Sicht spricht auch nichts dagegen, kumulativ das zurzeit bestehende Bestrafungsstrafrecht und das neue Belohnungsstrafrecht für all jene beizubehalten, die sich nicht anreizen lassen oder anreizen lassen möchten, gesetzestreu zu bleiben und damit nicht straffällig zu werden. Dies Nebeneinanderbestehen beider Syteme würde ich "poenale Dichotomie" des Strafrechts nennen.

Um die Zahl der Straftaten und die Kosten der Strafvollstreckung zugunsten einer "besseren" Gesellschaft zu senken- was spricht dagegen, es einmal so zu versuchen?







Samstag, 13. Oktober 2012

Saudade


Bei herrlichem Sonnenschein im Breisgau, während eines schönen, langen Spaziergangs nach einem kurzen Stadtbummel kam mir ein blitzartiger Gedanke, der sich zwar seit Jahren immer wieder leicht und spannungsgeladen vibirierend angekündigt hatte, dann aber wieder im Gemurmel der Gedanken, Gefühle und Geschehnisse untergetaucht war. sich aber nun zusammen mit dem Anblick eines Schwarzwaldplakates seinen Weg nach oben bahnte:

Ich ...
bin ...
heimatgelöst.
Völlig.

Damit meine ich nicht: "Einsam"- denn das bin ich weiß Gott nicht, ganz im Gegenteil. Dazu kenne ich zu viele Leute, dazu mag ich zu viele Menschen, dazu bin ich zu kontaktfreudig und offen.

Nein, ich meine eher: gelöst von einer gefühlsduselig-patriotischen "Schollenverbundenheit", von einer Landschaftsgeruch, einer Atmosphäre, einer Schwingung in der Luft und von "den Menschen" einer Zeit, einer Generation, eines Landstrichs oder einer Mentalität. Where ever I lay my hat there is my home" ist es nicht, eher "where ever I feel myself - there is a kind of inner home".

Also: heimatgelöst - heimatlos. Irgendetwas dazwischen.

Und das mir, dem Familienmenschen und Lokalpatrioten. Angebahnt hat sich diese Entwicklung eigentlich schon auf dem Jakobsweg 2009, als ich das erste Mal bewusst alles losgelassen hatte unf "mal weg" war. Wie schön war es, sich völlig Eins zu fühlen mit dem jeweiligen Augenblick, sich als Teil eines unbekannten Ganzen zu empfinden und...lösgelöst zu sein ohne sich "im Urlaub" zu befinden. Losgelöst...
... tja... einzige, wirklich einzige Ausnahme: Eine Art von Heimat war die geistige .... und Seelenwelt meiner Ex-Lebens- und Wandergefährtin. Dort war ich echt verhaftet und gerne zu Hause, diese Welt war mir wirklich wichtig. Und es war mit wichtig, dass sie sich dort (in ihrer Innenwelt) auch frei und kommod fühlt. Hat sie aber nur, solange sie sich körperlich attraktiv fand. Dann blühte sie innerlich auf und wurde zu einem "schönen" Menschen, im Sinne eines Zusammenspiels von von Innerem und Äußerlichkeiten. ann kamen die ersten Alterungsspuren. ....Derzeit geht sie Jackys Weg: Überbetonung des Äußeren (ohne Frage blüht sie richtig auf) und Vernachlässigung, Verkünnerung und ... irgendwie ...."Verhäßlichung" des Inneren. Verblüffend.

Mir hingegen waren und sind Körper nicht wichtig - das "Dahinter" ist es. Mich hat es noch nie wegen des "Körpers", des Aussehens zu jemandem hningezgen oder von jemandem abgestoßen - es waren instinktiv immer das "Wesen", die "Seelen" (wenn man so will). Ich schauen immer in und hinter die Augen, interessiert und wohlwollend - und bei allem, was ich einem Menschen gegenüber sage und tue, drängt es mich, dem Gefühl auszudrücken: " Ich ... meine... Dich. Genau Dich. Nur Dich ! " Auch verblüffend.

Andererseits: Das einzige Mal, dass ich mich seit 2009 an irgendwo an einem "Ort" ansatzweise wohl fühlte, das war vor einem Jahr - Gravito in Zentralportugal.

Warum ich das schreibe: Ich lese gerade (auf einer Bank im Sonnenschein) Christina Zackers "Muss denn Fado fade sein" (Heyne) - und was passiert? "Saudade" ergreift mich ungestüm - das (nicht übersetzbare) Gefühl des sich sehnsüchtig- wehmütig hingezogen Fühlens zu "irgendetwas nicht Greifbarem", zu "etwas Anderem" - zu Ferne, Tiefe, Seele, Gefühl. In "saudade"-Stimmung könnte ich lachen und heulen gleichzeitig. Vielleicht wäre "Sehnmut" eine passende Übersetzung....Sehnmut nach .. hm... bei mir vielleicht nach einer inneren Heimat, einer Heimat im Inneren, bei  MIR - und abhängig vom Aufenthaltsort.
Auch der Sehmmut, der Saudade, nähere ich mich durch den Gedanken an Portugal. Schon wieder Portugal. Zufall?

Heimatgelöst. Bin ich es gerne? Es ist unbekannt, schwebend, nebelig. Angst habe ich keine. Nicht mehr. Allerdings schwingt zugegebenermaßen gehörig Lampenfieber mit vor dem, was da kommt.

Was will mir also das Leben mit diesem Gefühl der Heimtgelöstheit zeigen? Warum bin ich dort gelandet? Negativ ist das ja nicht- im Gegenteil: Alles steht offen. Das "wann ?", das "wo ?", das "wohin ?".

Und eigentlich auch das "wer".

Saudade.
Im Breisgau.

Montag, 13. August 2012

Waldbrände...

Soeben habe ich schon wieder Nachrichtenberichte über die vielen Waldbrände in Südeuropa gelesen. Entsetzlichwa, was da los ist und ebenso entsetzlich, was die Menschen vor Ort durchmachen müssen.

Da geht es mir weniger um Touristen, die ja ihre Urlaubsreise abbrechen und gegebenenfalls nach Hause fahren / fliegen können.

Nein, es geht mir um die Menschen, die in den Waldbrandgebieten in Griechenland, Italien und Portugal leben und von denen ich viele in den letzten fast zwei Jahren persönlich kennen gelernt habe.

Da tut es umso mehr richtig richtig, richtig weh, wenn von Bränden in der Nähe von Patras (Peloponnes) die Rede ist und ich mir die schöne Gegend dort vor Augen halte. Oder von Bränden in Portugal, Nähe Figueiros Dos Vinhos, wo ich 2011/ 2012 ebenfalls fast ein halbes Jahr gelebt habe. Dort kam nun ein Feuerwehrmann ums Leben....

In beiden Fällen sind sicher nicht nur unachtsame Menschen ursächlich, die achtlos Zigarettenkippen oder Glasscherben wegwerfen. Nein, zumindest in letzterem Fall hat auch die massenhafte und rücksichtslose Aufforstung mit dem schnell wachsenden "Unkraut" Eukalyptus hier ihren Anteil - ebenso so aber auch die Regenarmut / Trockenheit im letzten Winter. Ich hatte bereits darüber geschrieben, dass im Winter 2011 /2012 in Zentralportugal so gut wie kein Regen gefallen ist - und das in der "Regenhauptsaison" Portugals.

Mir tun die Einheimischen (aus allen Nationen) Leid, die das jetzt wieder einmal erleben müssen. Umso mehr, weil ich selbst dort war - die Menschen und Gegenden erfühlt habe - und auch ein kleines Stückchen so etwas wie Heimatgefühl entwickelt habe....

Ich habe auch früher schon immer v e r s t a n d e n, was die Menschen in ihren nieder gebrannten Heimatstädten im 2. Weltkrieg empfunden haben müssen oder was nun auch die Menschen in den Waldbrandgebieten empfinden.Aber: Jetzt kann ich es auch förmlich  m i t f ü h l e n. Aber nur, weil ich dort war. Gefühle und persönliche Erfahrungen lassen sich nicht weitergeben oder vermitteln - es läßt sich nur irgendwie beschreiben..

Selbst, wenn ich jetzt von hier aus nichts machen kann - ein Fazit bleibt: Reisen bildet mmens - auch die Gefühlswelt.


Samstag, 11. August 2012

Genealogisches.... nee.... nicht wirklich wahr, oder ?

Vorgestern - in einigen an sich ruhigen Minuten - eine zufällige (?) Begegnung mit zwei netten Menschen. sehr freundlich und kommunikativ. Und mit leicht "thüringischem" Zungenschlag. Ich gebe zu, dass ich diesen Akzent mag - überhaupt den Slang (Verbalsound) der "neuen Bundesländer" (sächsisch eingeschlossen) - hauptsächlich wohl deshalb, weil ich zwar im Rheinland geboren bin, meine Wurzeln aber auch östlich von Köln liegen.

O.K. - wir unterhalten uns, höflich und ein wenig neugerig: Er - wohl etwas älter als ich - und Sie (wesentlich jünger) kommen aus Quedlinburg in Mecklenburg.-Vorpommern.

Aha - also nicht Thüringen - da habe ich mich dann wohl vertan. Also erwähne ich, dass ich Thüringisches herausgehört zu haben glaubte, einen Dialekt, der mir vertraut sei, weil meine Mutter aus Thüringen komme, um genau zu sein aus dem Eichsfeld. Da lächeln beide - und sagen, dass sie ursprünglich auch aus Thüringen kommen.

Ich muss fast lachen, möchte aber ein wenig toppen und erzähle: "Aber mein Vater war Sudetendeutscher !!", worauf er mir mitteilt: "Meine Mutter kommt auch aus dem Sudetenland, von wurde sie als kleines Mädchen nach dem Krieg 1946, wie viele andee auch, vertrieben."

Oha, ich zucke ein wenig zusammen, denke aber: Na ja, mein Vater kam aus "Czerny Dul" (= Schwarzenthal), Nähe "Vrchlabi" (Hohenelbe), das ist ein ganz kleinen Dorf direkt unterhalb der Schneekoppe, damals eigentlich so winzig, das kennt eh` keiner. Außer vielleicht, dass dort in den Nähe die Quelle der Elbe ("Labi") ist. Die Einwohner lebten dort vor dem Krieg im Wesentlich vom Holz und der Holzerarbeitung und mein Großvater war wohl Schreiner / Tischler. Ich war schon zweimal in Cerny Dul - 1991 nach der Grenzöffnungen, und 2006 zur Zeit der "Sommermärchen-WM". Das erste Mal aus purer Neugierde, das zweite Mal zum Wandern im Riesengebirge. Erinnerungne kamen hoch... ;-))

Und so denke ich, "Na ja, mein Vater wurde ja nach dem Krieg ebenfalls vertrieben - und landete in Geismar, Thüringen, Eichsfeld, wurden vielleicht alle Sudentdeutsch Richtung Thüringen geschickt?" Um mich diesem Thema zu nähern, sage ich: "Komm, Butter bei die Fische, wie heißt denn dann kleine Nest Deiner Mutter?" Er: "Czerny Dul, Schwarzenthal, das liegt...."

"Kenne ich", sagte ich jetzt deutlich nervöser "da kam mein Vater auch her." Und dann haben wir uns über den Ort unterhalten. In welchem Haus Mutter bzw. Vater als Kinder wohnten, als Kinder, damals - und offenbar nur 50 Meter voneinander entfernt . Seine Mutter war bei Vertreibung da wohl neun Jahre alt, mein Vater 12 Jahre. Und da man sich auff`m Dorf ja kennt, unterhalten wir uns über die "örtlichen Gegebenheiten" in Cerny Dul, den kleinen Marktplatz dem großen Baum, den kleinen Bach, die Gaststätten gegenüber dem Marktplatz, die Weberei....auch einzelne Namen fallen Schließlich wollte er jedenfalls einmal bei seiner Mutter Näheres erfragen, telefonisch, aber . jedefalls habe seine Urroßmutter mit Mädchennamen "Bradler" geheißten .
An der Stelle verschlucke ich mich fast - der Mädchenname meiner Oma in Czerny Dul war: ?

Richtig: Bradler.

Nee...Das ist jetzt nicht wirklich wahr, oder?

Jetzt sind die E-Mail-Adressen ausgetauscht ...und wir werden weiter forschen...und forschen.... ... 
Witzig, oder?


Freitag, 10. August 2012

Der Gewaltandrohung weichen ?

... das ist eine uralte Frage im Zusammenleben der Menschen.

Die Erfahrung lehrt, dass Gewalt und Brutalität sich häufiger durchsetzen als es der Menscheit lieb ist. "Vom Recht des Stärkeren" spricht man da, von der "Macht des Faktischen" und, das das "Starke, Mächtige und Böse immer gewinnt".  Das ist die Schlussfolgerung des Darwinismus, "the survival of the fittest".

Gewalt und Brutalität sind dabei für mich wertungfrei zu betrachten - als Mittel eines Individuums, seine Vorstellungen von der Gestaltung seines Umfeldes zu verwirklichen. Daran ist erst einmal nichts böse oder verwerflich. Aber ist das wirklich so, dass die Mächtigen die "fittest" sind?

Weichen, "aus dem Weg gehen" hat ja nichts mit "Schwanz einziehen" zu tun - nein, Zurückweichen ist bei allen seriösen Kampfsporarten das "erste Mittel der effektiven Selbstvertteidigung", und nicht zuletzt predigen alle großen Religionen die Gewaltlosigkeit und die demütige Hinnahme von Aggressionen ( wenn auch mit dem für mich falschen Mittel, nämlich dem Versprechen auf ein besseren Lebens im Jenseits).

Andererseis gibt es ja auch immer wieder Menschen, die sich Gewalt und Drohung sogar gegen eine Übermacht aktiv gegenüberstellen- so dass zB. der stille Protest eines Einzelnen - wie bei Gandhi- oder die gewaltlose Abstimmung mit den Füßen Vieler - wie beim Fall der DDR-Mauer 1989 , organisierter kleiner Protest wie im Falle der Ereignisse in den nordafrikanischen Ländern in der lezten Jahren dazu führt, dass sich Unterdrückung/ Bedrohung / Gewalt nicht durchsetzt.

Wie aber ist es bei den alltäglichen, ganz ganz kleinen Brutalitäten, die niemand registriert, die keinen interessieren, die keinerlei Auswirkungen auf das "Große, Ganze" haben? Die rein "innerfamiliären" Angelegenheiten, oder der schwache Obdachlose im Park, die Andersfarbige, der Andersdenkende, das Kind. der Hund.  Da schaut man lieber weg, blickt betreten beiseite, weicht zurück und konzentriert sich auf etwas anderes. Eine Abstimmung durch aktives Handeln bleibt aus.

Kleine, alltägliche Gewalt. Wer kennt sie nicht?

Mein klitzekleines, aber aktuelles Gewaltproblem: Ein nächtlicher Drohanruf von Jacky, den neuen Lebensgefährten von Stefanie.

In einer Nachricht auf meine mailbox droht er mir, mich zu "vernichten" - offensichtlich für den Fall, dass ich meinen auf Plan-Be.de eingestellten Bericht über unseren Aufenthalt in Balsa nicht so verzerre, dass ich angebliche "Halbwahrheiten" rausnehme und ihn als ausschließlich positiv beschreibe.

Dazu müsste ich lügen. Denn  m e i n e Wahrheit, meine Wahrnehmung  ist die, die ich dort beschrieben habe! Sonst hätte ich es nicht geschrieben. Und seine erfolgte Drohung bestätigt mich eigentlich in meiner Wahrnehmung.

Damit sich jeder selbst ein Bild machen kann, habe ich eine Audioaufnahme des Anrufs ich hochgeladen und auf die Plan-be-Seite gestellt, unter

http://www.plan-be.de/html/balsa.html


Bloß: Wie soll ich nun im Weiteren reagieren?
Weichen? Nachgeben? Die kleine Gewalt hinnehmen? Lügen um des lieben Friedens willen?
Ist das nur der Anfang?


Ist es nicht so, dass erst jeder selbst und dann viele Menschen im Kleinen etwas ändern müssen, damit eine Änderung im Großen überhaupt denkbar und möglich wird?

Sagt es mir!